Boote Tsunami

Banda Aceh – Scharia, Tsunami und die Geschichte von Harry

Banda Aceh

 

Für viele westliche Touristen ist Banda Aceh nur ein notwendiges Übel um nach Pulau Weh zu gelangen.

Traurige Bekanntheit erlangte die Provinz durch das Seebeben (Stärke 9,1) und den darauffolgenden Tsunami am 26.Dezember 2004 – eine der schwersten Katastrophe der Menschheitsgeschichte.

Allein in der Stadt, die dem Epizentrum am nächsten war, starben ca. 25.000 Menschen. Insgesamt wurden durch diese Welle zwischen 250.000 und 300.000 Leben ausgelöscht.

Jeder hier hat seine Geschichte, manche haben die komplette Familie verloren. Harry zum Beispiel, war Monate lang von seinen Liebsten getrennt ohne zu wissen ob sie überlebt haben oder nicht. Seine Eltern konnten der Welle nicht entfliehen. Harrys Frau befand sich zum Zeitpunkt der Katastrophe auf Pulau Weh – nach knapp hundert Tagen der Unsicherheit begegneten sie sich auf der Strasse in ihrer beider Heimatstadt.


Harry

 

13:30 Uhr: Ich setze mich in ein Cafe um den Blog zu schreiben. Kaum angefangen ruft schon wieder ein Tuktukfahrer ob ich irgendwohin fahren möchte… . Genervt lehne ich ab und konzentriere mich wieder auf den Laptop. Kurze Zeit später sitzt der Kerl neben mir und stellt mit recht gutem Englisch die üblichen Fragen (wo kommst du her?, wohin gehts?, wo ist deine Frau?). Mit mittlerweile gewohnter Routine antworte ich schnell um mich abermals den wichtigen Dingen zu widmen, nämlich meinem Blog! Er bleibt sitzen. Nach einigen Minuten die ich ihn nicht beachtet habe, beginnt er von sich zu erzählen. Von dem Tsunami, dem Bürgerkrieg von 1976 bis 2005, der Scharia, seiner Familie und der Stadt die er so liebt. Vor 2004 hatte er einen gut laufenden Copyshop, jetzt verdient er sein Geld indem er Leute wie, mich mit seinem auf Raten finanzierten Becak, durch die Gegend fährt. An den seltenen guten Tagen hat er am Ende seines Arbeitstages 200.000 Rupiah (14 €) in der Tasche an schlechten nichts.

Kurzer Hand schlage ich ihm vor, in das berühmte Cafe Rumoh Aceh zu fahren, wo ich ihn auf den angeblich besten und teuersten Kaffee der Welt einladen möchte. Dort angekommen erhalte ich vom Geschäftsführer eine ausführliche Beschreibung über das Haus und natürlich den Kopi Luwak. Dem Fleckenmusang ist der ausgezeichnete Geschmack zu verdanken oder besser gesagt dessen Verdauung. Er schluckt nur die besten Bohnen, verdaut das Fruchtfleisch und unterzieht den Rest einer Fermentierung ehe er es wieder auskackt.

Gewaschen und geröstet kommt das Extrakt in meine sowie in des Fahrers Tasse und schmeckt – nicht!

Cafe Rumoh Aceh in Banda Aceh
Der Weltbeste Kaffee im Rumoh Aceh

Auf dem Weg zu meinem Bus nach Medan steigt er um 18:30 von seinem Gefährt und eilt, mit der Bitte an mich kurz zu warten, in eine Moschee zum Beten :). Als wir uns verabschieden gibt er mir noch seine Mailadresse und ich euch seinen Namen: Harry.

Im Luxusbus wird mir vom edel Kaffee und der abermals kamikazeartigen Fahrweise übel. Zudem tropft mir das Wasser der Klimaanlage in unregelmäßigen Abständen auf den Kopf, was mir schier die Fassung raubt.

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Ach ja, die Scharia.

 

Die Religionspolizei des Islam.

Banda Aceh ist der einzige Bereich Indonesiens in dem die Gesetze der Scharia gelten und strikt gehandhabt werden. Die in Grün uniformierten Polizisten sind an allen Ecken zu sehen. Immer auf der Suche nach unzüchtigem Verhalten.

So muss eine Frau verschleiert sein um keinerlei äußerlichen Reize zu zeigen. Auf dem Motorrad wird natürlich hinten gesessen, aber nicht wie auf einem Sattel (viel zu männlich) sondern im Frauensitz, seitlich mit geschlossenen Beinen! Sex vor der Ehe gibt es hier vermutlich wirklich nicht, denn sollte der Mann in der Hochzeitsnacht feststellen das er nicht der erste ist, setzt es als Mindeststrafe 100 Stockschläge, nach dem Freitagsgebet in aller Öffentlichkeit… (Sure 24,2-3)
Ganz schlecht sieht es bei einer Vergewaltigung aus, die missbrauchte Frau muss zumindest 4 Augenzeugen (im besten Fall männlich) vorweisen die den Vorgang bestätigen. Tun sie das nicht, wird die Frau des Öfteren im Gegenzug wegen Verleumdung und Ehebruch (Sure 24,4) angeklagt und rechtmäßig gezüchtigt.

Mann und Frau (unverheiratet) dürfen sich nicht gemeinsam ohne Begleitung an einsamen Orten treffen.  Ein Kuss = 30 Hiebe!

Weltliche Vergnügen wie Tanz, Alkohol, Drogen und Glücksspiel sind verboten.

Dies war nur ein Bruchteil der Verordnungen die in Gottes Namen hier einzuhalten sind.

Sollte ich hier etwas falsch dargestellt haben, so bitte ich darum mir dies mitzuteilen um es ggf. zu löschen.

Obwohl die traurigen und negativen Berichte über diese Stadt überwiegen, fiel mir auf wie außerordentlich gastfreundlich und interessiert die Menschen sind.

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