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Inselleben auf Nias

 

Schonmal was von der Insel Nias gehört?

Falls du passionierter Surfer bist, ist dir der Name mit ziemlicher Sicherheit ein Begriff. Denn der dortige Surfspot „The Point“ am Sorake Beach zählt zu den besten der Welt.
Für alle anderen dürfte Nias noch ein unbeschriebenes Blatt sein.

Dies will ich kurz ändern:

Die Insel ist etwa 125 Kilometer lang, 40 Km breit und befindet sich westlich von Sumatra. Nias ist vulkanischen Ursprungs und beherbergt etwa 650.000 Einwohner. Diese werden Niasser genannt und bekennen sich seit der Missionierung, ab dem Jahre 1875 durch Heinrich Sundermann, grösstenteils zum Christentum. Rituelle Bräuche wie die Kopfgeldjagd und der Ahnenkult waren bis zum Jahrhundertwechsel gang und gäbe.

Mit einem Flugzeug kann man stressfrei innerhalb von 1,5 Stunden von Medan aus anreisen. Die weitaus interessantere aber auch nervenaufreibendere Methode ist die Fährverbindung von Sibolga nach Teluk Dalam im Süden der Insel. Für umgerechnet je 10 € erhalten wir Tickets für die 125 Kilometer weite nächtliche Überfahrt.

Die Einheimischen staunen nicht schlecht als wir an Bord gehen, da sich ausser uns wohl kein Tourist auf dem voll besetzten Boot befindet. Wir nehmen unsere zugewiesenen Plätze ein und schauen uns auf der nicht allzu sicher wirkenden Fähre um.

Wie war das nochmal mit der Titanic?

Die Leute sind uns gegenüber sehr aufgeschlossen. Sie wirken trotz der bevorstehenden Fahrt völlig entspannt. Marie legt sich auf den ausgebreiteten Sarong und schläft durch die leichten Wogen der Fähre augenblicklich ein.

Gut für sie! Ein Unwetter naht, die See wird wild. Das Schiff krächzt und knarzt unter den Naturkräften des Wassers.
Ich konzentriere mich auf einen Fixpunkt, um mein Gleichgewichtsorgan zu beruhigen. Währenddessen wird die Gesichtsfarbe meiner Sitznachbarin bleich wie Kreide. Auf meine besorgte Frage, ob alles OK sei, antwortet sie mit einem Würgereiz, ruft laut:“Uuulf“! Und füllt die bereit liegende Tüte mit halbverdautem Abendessen. Da will man einmal nett sein und dann sowas!

Ich nehme es vorweg, die nächsten 11 Stunden werden die schlimmsten im Leben dieser anfangs so fröhlich wirkenden Frau. Marie kriegt von alldem nichts mit, sie träumt indes von hübschen Surferboys und prall gefüllten Kokosnüssen.

Land in Sicht

Am frühen Morgen beruhigt sich der Wellengang.
Der Strand von Sorake ist gesäumt mit Hostels und Homestays. Wir laufen die einzige Strasse entlang und mieten uns für mehrere Tage in der „Jamburae Lodge“ ein. Das frisch renovierte Wohnhaus ist das luxuriöseste was wir seit einiger Zeit bewohnen können. Es gibt endlich mal wieder eine Dusche mit warmem Wasser!!!

Wir verbringen die Tage damit Surfer beim Wellenritt zu bestaunen. Schon früh morgens packen die Sportler das Brett unter ihren Arm und schmeissen sich in die Fluten. Die Wellen rollen im immergleichen Takt in die Bucht. Ein Paradies für die, die es können oder lernen wollen.

Niasser welche am Sorake Beach aufwachsen, lernen das Wellenreiten von klein auf. So ist es dann auch möglich mit einem in der Mitte gebrochenen Board zu surfen.

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Nias wird auch die Insel der Kokosnüsse genannt. Folgerichtig verdienen die Kinder etwas Geld, indem sie den Touristen frische Kokosnüsse für 1€ verkaufen und mit der Machete trinkfertig aufschlagen.

Um sich das Geschäft für mehrere Tage zu sichern, nutzen die Jungs einige Tricks. Der eine wirft mit coolen Sprüchen nur so um sich, der nächste flirtet mit Marie wie ein grosser und wieder andere punkten durch schüchterne Zurückhaltung.

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Ihren Verdienst investieren die Kids meist in ein Surfboard oder Zubehör. In Deutschland wollen Kinder Feuerwehrmann, Pilot oder in meinem Fall Müllabfuhrmann werden, auf Nias haben alle nur einen Traumberuf – Surfprofi.

Photo by Jastin Bulolo and Sebatian Roja – Surferboy is Site Wau

 

Steinspringer in Bawomataluo

 

Das traditionelle Königsdorf „Bawomatoluo“ liegt 4 km im Landesinneren und hatte vor einigen Jahrzehnten noch einen für jeden heranwachsenden Mann einschneidenden und zukunftsweisenden Brauch.

Im jungen Erwachsenenalter bekam jeder Mann eine (und keine zweite) Chance allen Dorfbewohnern und speziell den Damen zu zeigen, dass er ein ganzer Mann ist. Die unumgängliche Aufgabe war es einen 2 Meter hohen Steinwall zu überspringen, ohne diesen zu berühren. Als Absprung dient ein kleiner Gesteinsbrocken.

 

Für den Fall das er Versagen sollte, war ihm das Recht zu heiraten sowie in den Krieg zu ziehen versagt. Das Ansehen ein echter Mann zu sein musste er mit dem misslungenen Sprung bis an sein Lebensende an den Nagel hängen. Nicht verwunderlich also das die Jungen schon von Kindesbeinen an auf diesen Tag hin trainierten.

Heutzutage finden die Sprünge nur noch als Show für zahlungswillige Touristen statt. Und was die Frauen im Dorf anbelangt, die lassen sich, wie uns verraten wurde, heutzutage eher durch Schmuck, Autos und Geld beeindrucken als durch den Sprung über einen Stein.

 

Kirchenbesuch mit dem Kinderheim Villa Warna Warni

In der Beachbar Hash & Family haben wir Jacqueline und Tobias ein liebenswürdiges (<– komisches Wort) Pärchen von der Alb kennengelernt. Beide arbeiten als Volunteer (Freiwilligenarbeit) im Kinderheim Villa Warna Warni in dem Dörfchen Hilimaenamölö. Das Heim wurde durch einen gemeinnützigen Verein in Deutschland gegründet und durch Spenden finanziert. Das interessiert mich!

Wir werden eingeladen am morgigen Sonntag mit ihnen und den Heimkindern in die Kirche zu gehen. Sowas muss man erlebt haben, denke ich mir, und kann es kaum erwarten auf der Gebetsbank platz zu nehmen.

Der nächste Tag

Mit dem Moped fahren wir zur Villa Varna, unserem Treffpunkt und staunen nicht schlecht als uns zwei Jungs mit einem freundlichen „Good morning Mister, good morning Misses“ begrüssen. Bis auf die Kleinsten scheint jedes Kind an diesem Sonntagmorgen 9 Uhr einer Beschäftigung nachzugehen.

Kurz vor 10 Uhr fahren wir dann gemeinsam zur Dorfkirche.

Schon auf dem Weg dorthin lässt sich erahnen, dass die wöchentliche Zusammenkunft ein Highlight im gemeinschaftlichen Miteinander ist. Das ganze Dorf scheint sich in Richtung Gotteshaus zu bewegen. Die Frauen pudern sich ihre Gesichter weiss und ziehen ihr schickestes Kleid an, Pumps dürfen natürlich nicht fehlen.

Die Kirche ist voll, wie jeden Sonntag. Beim Betreten dreht sich alles nach uns um. Wir blicken in hunderte lächelnder Gesichter und suchen uns verlegen einen Sitzplatz. Männer sitzen rechts und Frauen, da in deutlicher Überzahl, links sowie in der Mitte.

Während Marie bei Jaqueline sitzt, habe ich neben Tobias und den Kindern Platz genommen.

Der Pfarrer spricht mit lauter Stimme, da die Technik heute mal wieder ausgefallen ist. Kurz darauf erheben sich alle, um lauthals in ein Lobpreis einzustimmen. Die Lautstärke und Inbrunst, mit der die Menschen singen lässt mir immer wieder Gänsehaut über den Rücken laufen.
Während der knapp zweistündigen Predigt gehen klein und gross aus und ein, spielen Kids vor der Kirche und Erwachsene erzählen sich in Zimmerlautstärke die News vom Wochenende.

Je zweimal wird dann zur Kasse gebeten. In einer Reihe aufgestellt laufen alle Anwesenden zur Spendenkasse vor dem Altar, wo sie ihren Obolus hineinstecken. Halleluja!

Völlig überraschend werden wir im Anschluss an den Gottesdienst vom Kinderheim zum Mittagessen eingeladen. Sonntags gibt es bei ihnen immer besonders leckeres Essen. Wir lassen es uns schmecken, bekommen noch eine Führung und verabschieden uns daraufhin von den Menschen der Villa Warna Warni.

Danke für eure Gastfreundschaft!

 

Tipps:

Essen & Trinken:

  • Bananapancake: Den schmackhaftesten Bananapancake den ich je gegessen habe gibts bei „Michelle Losmen“. Neben Schokoladensauce und Kokosraspeln sind noch Erdnussstückchen darauf verteilt.
  • Trinken: Fruchtshakes gibts an allen Ecken und wer von den Jungs am Strand Kokosnüsse kauft, unterstützt indirekt die Talentförderung.

Unterkunft:

  • Die Jamburae Lodge ist top! Site der Inhaber spricht deutsch und ist mega freundlich.
  • Hash & Family Surfcamp: Die direkt am Surfspot gelegene Unterkunft ist mit die schönste aber auch teuerste Wahl.

4 Kommentare zu “Inselleben auf Nias

  1. Karlheinz Stadelmaier

    Hallo Mary, Hi Bo,

    Vielen Dank für den tollen Beitrag, wie immer erste Sahne 🙂
    Es macht schon richtig Spaß, zu lesen was ihr so alles erlebt und über so ein Steinhaufensprung könnte ich euch ein Schwank aus meiner Jugendzeit erzählen.

    Ganz liebe Grüße
    Karlheinz

    • Na da sind wir aber gespannt was du uns erzählen wirst!

      Danke Karlheinz für deine Rückmeldung. Durch Leser, die meine Blogartikel kommentieren macht das Schreiben doppelt soviel Spass 🙂

  2. Hallo Mary und Boris,
    hab grade Deinen Bericht Stefan vorgelesen. Sehr beeindruckend was Ihr erlebt und wie Du
    alles berichtest.
    Weiterhin gute Reise…..
    Gruß aus dem grautrüben kalten Deutschland.
    Petra und Stefan

  3. Hi ihr Beiden!

    Danke fürs vorbeischauen und windige Grüsse aus Neuseeland 🌬️

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