Kleiner Knigge fürs Nomadenzelt

Grundsätzliches:

Die Nomaden legen grossen Wert auf Traditionen die bei ihnen seit Jahrhunderten Bestand haben. Als Reisender ist es empfehlenswert sich im Voraus mit diesen Bräuchen vertraut zu machen, um nicht wie ich von einem ins nächste Fettnäpfchen zu treten. Glücklicherweise geniesst man als Ausländer eine Art Welpenschutz.
Den Sitten angemessenes Verhalten wird jedoch sehr geschätzt.

Unter den Nomaden herrscht seit jeher der Brauch, dass ein Jeder, zu jederzeit das Recht darauf hat in eine Jurte einzutreten. Gäste werden regelrecht hofiert und mit Speis und Trank verwöhnt. Oftmals bieten einem die Gastgeber ihr Bett zum Schlafen an, während sie sich einen Platz auf dem Boden zurechtmachen.
Manche Nomaden bereiten etwas zu essen und trinken, bevor sie für mehrere Tage verreisen.
So können sich Schutzsuchende, in der nicht abgeschlossenen Jurte, stärken und dort nächtigen.

Verhaltensregeln in der Jurte:

  • Vor dem Betreten der Jurte bitte nicht anklopfen – das kennen Nomaden nicht.
  • Schuhe werden angelassen.
  • Man tritt mit dem rechten Fuss zuerst ein und kommt dabei nicht auf die Türschwelle (wäre ein schlechtes Omen für die Familie).
  • Die rechte Seite ist der Familie und die Linke den Gästen vorenthalten.
  • Nachdem man sich gesetzt hat, wird einem Tee (Grüntee mit Milch) und diverse Milchspeisen gereicht. Warme Speisen mit viel Fleisch gehören oftmals zum Verwöhnprogramm dazu. Diese Nahrungsmittel abzulehnen oder unangetastet stehen zu lassen, gilt als sehr unfreundlich und respektlos.
  • Leere Schalen werden solange von der Gastgeberin aufgefüllt, bis man etwas darin übrig lässt.
  • Alles was einem gereicht wird, sollte mit der rechten Hand angenommen werden.
  • Das Dach der Jurte stützt sich auf zwei Pfeiler die in der Mitte des Raumes stehen. Durch diese darf weder etwas gereicht, noch hindurchgegangen werden. Bitte auch nicht anfassen!
  • Wird dir eine der oftmals wertvollen Schnupftabakflaschen gereicht (Begrüssungszeremoniell), so ist der Deckel bei der Übergabe mit Sicherheit leicht geöffnet. Nachdem du sie mit der rechten Hand angenommen und zumindest daran gerochen hast, kannst du sie mit deiner Rechten und leicht geöffnetem Deckel wieder zurück geben. Geschlossene Deckel werden als Zeichen der Feindseligkeit gedeutet.
  • Nach dem Essen oder am Abend gibt es oftmals einen Milchschnaps oder Wodka. Der Gastgeber füllt die Schale und trinkt einen Schluck daraus. Dann giesst er nach und gibt diese an den Ältesten in der Runde weiter. Derjenige reicht sie anschliessend dem Hausherren zurück. Das Gefäss wird abermals gefüllt, um dem jeweils Rangnächsten eine immer volle Schale zu reichen.
  • Wer nach soviel Essen und Trinken dann mal „nach den Pferden schauen muss“, sollte dies in einigem Abstand zur Jurte oder hinter dem dafür vorgesehenen Sichtschutz tun.

Bevor man sich verabschiedet ist zumindest ein aufrichtiger Dank selbstverständlich. Über ein kleines Geschenk freut man sich auch hier.

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