Lombok die kleine Schwester Balis

Die See ist rau an diesem Sonntagmorgen und wogt die Fähre auf deren Deck wir sitzen gewaltig auf und ab. Am Horizont zeichnet sich unser nächstes Ziel, die Insel Bali ab. Für 48.000 Rupie (3€) kommen wir in 5 Stunden Fahrzeit von Lembar (Lombok) nach Padangbai (Bali). Alternative wäre ein Schnellboot für ca. 300.000 Rp.
Während zwei Dutzend Bauchladenverkäufer ihre Lebensmittel an den Mann bringen wollen, lasse ich die Erlebnisse der vergangenen drei Wochen Revue passieren.

Nach den anstrengenden aber unvergesslichen beiden Monaten in der Mongolei und Russland können wir das Meer samt Sandstrand kaum erwarten. Abseits der hiesigen Touristenmagneten  Gili- Trawangan / -Air
/ -Meno und Senggigi, haben wir Orte, Menschen und Abenteuer gefunden, für die es sich lohnt, die Insel zu erkunden.

Surfen und Yoga in Kuta

Am Flughafen Lombok angekommen, nimmt uns die Wärme der über uns stehenden Nachmittagssonne in Empfang. Das kostenlose „Visa Free Entry“ wird uns ohne weiteres ausgehändigt. Nun können wir uns 30 Tage in Indonesien aufhalten, bevor wir das Land verlassen müssen.
Schon im Flughafen fällt uns die entspannte und fröhliche Art der Einheimischen auf. Noch schnell eine Simkarte (5 € für 7 GB Datenvolumen) erwerben und auf gehts mit dem Taxi nach Kuta, wo wir drei Tage in Roby`s Homestay verbringen.

Der Ort Kuta selbst ist im Zentrum ziemlich touristisch. Mit einem geliehenen Motorroller lohnt es sich, die weiter entfernten Strände und Aussichtspunkte anzufahren. Wer erste Versuche auf dem Surfbrett machen möchte, ist am Selong Belanak Beach goldrichtig!

Während die Wellen mit mir immer wieder Waschmaschine spielen, nimmt Marie einen dreistündigen Kurs und surft anschliessend mit einem überheblichen Blick an mir vorbei 😏.

Im diesem Yoga Studio kann man für 100.000 Rp. an einer Stunde teilnehmen. Am Dienstag und Donnerstagabend werden Filme auf deren Leinwand gezeigt.

Heute läuft „Chihiros Reise ins Zauberland“ von Hayao Miyazaki.

Kennt ihr den Film? Falls nein, unbedingt anschauen!

Zeit zu relaxen auf Gili Gede

Im Süd-Westen Lomboks liegen mehrere, dem Massentourismus bisher entgangene Inseln. Die meisten von ihnen kann man innerhalb weniger Stunden zu Fuss umrunden. Wer sich für Land und Leute interessiert, sollte dies unbedingt tun. So kann man die Bewohner bei ihren täglichen Arbeiten wie dem Fischfang, Bootsbau oder der Obsternte antreffen. Strandabschnitte in Bilderbuchromantik laden mancherorts zum Träumen ein.
Was einem jedoch nicht entgeht, ist die Ansammlung von Müll, welche durch das Meer, Welle um Welle angeschwemmt wird.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Wir beiden Sparfüchse buchen uns im Thamarind auf Gili Gede ein Zelt und lassen dort für eine Woche unsere Seele baumeln. In einer Bewertung auf Tripadvisor steht, dass einem dort die Wünsche von den Augen abgelesen werden.

Und tatsächlich, das Personal verwöhnt uns von morgens bis abends nach Strich und Faden. Roka (der Manager, spricht hervorragendes deutsch) und seine Angestellten bereiten uns dank ihrem Charme, Witz und der entgegengebrachten Aufmerksamkeit wundervolle Tage.

 

gili-gede-thamarind

Der Vulkan Rinjani

Ein jeder Lombok Reisender liebäugelt mit dem Aufstieg auf den Mount Rinjani, der zweithöchste Vulkan Indonesiens. Ein Vulkankrater mit 3726 Metern Höhe. Der letzte Ausbruch war im Oktober 2015. Während der Regenzeit von Dezember bis März ist der Aufstieg gesperrt.

Manche erklimmen den Berg auf eigene Faust, indem sie einfach den geführten Touren hinterherlaufen. Die meisten buchen sich allerdings einen Guide samt Träger und starten von Sembalun bzw. von Senaru nördlich des Vulkans.

Von anderen Reisenden hören wir immer wieder abschreckende Berichte vom Aufstieg. Die Strecke sei voll mit Müll, die Guides nehmen kaum Rücksicht auf das eigene Lauftempo, man sei einer von vielen die täglich den Rinjani besteigen usw.
Darauf haben wir keine Lust.

Nach längerer Recherche finden wir eine Tour von Jayatrekker, die von Süden aus starten. Ausgangspunkt ist Timbanuh, ein kleines Dorf auf 900 Meter am Fusse des Berges. Deren Angebot ist nicht das billigste, preiswert ist es aber allemal.

Angebot:

– 3 Tage und 2 Nächte bis auf die zweite Kraterspitze (3150 m)

– Lizenzierter Guide und in unserem Fall 3 Träger

– Vollverpflegung

– Neues Zelt und top Schlafsäcke

– Erste Übernachtung und Essen im eigenen Hostel inklusive

– Abholung und Rückfahrt an beliebigen Ort auf Lombok

– Preis 2.500.000 Rp

Wir sind kurzzeitige Millionäre als wir das Geld aus dem Bankomat lassen, um die Tour zu buchen.

Aufstieg zur Kraterrinne

Los geht das Abenteuer am frühen Morgen am Tore des Mount Rinjani Nationalparks.

Unsere Mannschaft besteht neben uns beiden, aus den Trägern Futri, Ucoxs und Gen sowie dem Guide Paris. Anderen Abenteurern werden wir während den kommenden Tagen nicht begegnen.
Im Gänsemarsch geht es in dieser Reihenfolge durch LaubwälderDschungelFarnwälderSavanne und karges Gebirge hinauf über die Wolkengrenze bis auf eine Höhe von 2650 Meter.

Während dem Aufstieg hören wir plötzlich ein furchterregendes Geschrei und Gebelle. Als wir den Geräuschen folgen, kommen wir an ein seltenes und grausames Schauspiel der Natur. Fünf Hunde machen sich über einen heruntergefallenen Black Monkey her. In wenigen Minuten ist ausser einer Hand und dem Schwanz nichts mehr von dem Affen übrig.

Nach jeweils ca. 2 Stunden machen wir eine Pause und werden von den Jayatrekkern aufs feinste verköstigt. Dreimal täglich werden uns warme, köstliche Speisen gereicht. Die Zubereitung erfolgt mit viel Liebe zum Detail. So werden Karotten und anderes Gemüse nicht nur in Scheiben geschnitten, sondern mit dem Messer verziert. Gewürze und Farne sammelt Paris während dem Aufstieg und peppt damit unsere Mahlzeiten auf. Kleinigkeiten, die nicht nötig sind, uns aber ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
Zu jeder noch so kurzen Pause gibt es Kekse, Obst und Kaffee bzw. Tee. Eigentlich möchte ich während der Tour ein wenig an Pfunden verlieren – so wird das leider nichts!

 

Der anfallende Müll wird in einer Tüte gesammelt und beim Abstieg wieder mitgenommen. Aufgrund dessen finden wir während der gesamten Tour so gut wie keine Verpackungen in der Natur vor.

Die Träger starten mit Lasten bis zu 40 Kilogramm! Geschickt manövrieren sie die Stange mit den beiden Lastkörben durch die teils engen Wälder. Mit  gleichmässigem Schritt und einem Körper der solche Strapazen gewohnt ist, hieven sie die Lebensmittel und das Campingequipment bis zum Kraterrand. Eine Leistung, die mir übermenschlich erscheint. Zumal ich nur mit dem nötigsten Gepäck versehen und im Gegensatz zu den Einheimischen nonstop nassgeschwitzt bin.

porter-rinjani
Die letzten zweihundert Höhenmeter geht es auf hartem Vulkangestein steil bergauf. Am späten Nachmittag erreichen wir erschöpft die Kraterrinne und verweilen dort einige Zeit staunend. Inmitten des riesigen Rinjanikraters findet sich ein See, aus dem sich ein weiterer Vulkan erhebt.

Der Weg zur Spitze

Nach einem kräftigenden Abendessen geht es früh schlafen, da die letzte Etappe zum Gipfel bevorsteht.
Um 4 Uhr morgens verlassen wir unser Camp und steigen mit Stirnlampen im Mondschein in zwei Stunden auf 3150 Meter. Ein steiler und teils nervenaufreibender Gebirgsabschnitt.

Unser Guide zeigt uns die sichersten Wege, indem er vorausgeht. Immer wieder erkundigt er sich nach unserem Befinden und mahnt an kniffligen Passagen mit einem fürsorglichen „Hati, hati!“ („Sei vorsichtig!“). Der routinierteste Träger nimmt einen anderen Weg auf die Spitze. Eine Stirnlampe braucht er dazu nicht.
Beim Blick zum höchsten Punkt des Vulkans zeichnet sich eine nicht enden wollende, sich langsam bewegende Kette von Lichtern ab. Keine Sterne, sondern die vielen Kletterer, welche vom Norden aus aufgebrochen sind.
Massentourismus auf der einen, sanfter Tourismus auf der anderen Seite.

Rechtzeitig erreichen wir alle das Ziel, wo uns Paris, mit einem grinsen wie bei einer Werbesendung, je eine Dose Coca-Cola reicht – selten habe ich mich über einen Softdrink dermassen gefreut!

Ein Sonnenaufgang ist von der zweiten Spitze leider nicht zu sehen. Der sagenhafte Ausblick und das Gefühl es geschafft zu haben entschädigt jedoch alle Mühen. Toll jetzt mit diesen Menschen hier zu sein.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Der Abstieg

Der Regenguss am Vorabend macht jeden Schritt zu einer rutschigen Angelegenheit.
Während ich bei der ersten Hälfte des 2600 m Abstiegs froh war, meine müden Muskeln etwas entspannen zu können, bestand die andere Hälfte grösstenteils aus Knieschmerzen.
Auf einer der wenigen geraden Abschnitten versuche ich mich an der mittlerweile nur noch halb so schweren Lastenstange und bin froh sie nach ein paar Minuten wieder weiterreichen zu können.

Gegenseitig rufen wir uns immer wieder „Hati, hati!“ zu und kommen so unversehrt, vor Einbruch der Dunkelheit im Lager an. Die Nacht werden wir im Dschungel verbringen. Eine Dusche im Fluss und eine Mahlzeit später sitzen wir alle ums Lagerfeuer und unterhalten uns über das Leben der Träger.
Die Erfahrenen machen die Tour zur Spitze und zurück bis zu DREIMAL pro Woche um ihre Familie ernähren zu können. Die Agentur Jayatrekker entlohnt sie dabei besser als die meisten anderen Touranbieter, welche mit Dumpingpreisen um Touristen werben. Wie so oft ist billig nicht besser!

Hin und wieder arbeitet Futri für eine Trekkingagentur aus Sembalun, wo er wenige Wochen zuvor Zeuge eines tragischen Unfalls wurde. Er berichtet mit brüchiger Stimme, wie vor ihm eine Frau umgeknickt sei und ihre Freundin beim Sturz in die Tiefe mitgerissen habe. Solche traumatischen Szenen sind kein Einzelfall im Leben eines Guides oder Trägers am Mount Rinjani.

Abschied

Am letzten Tag macht sich unsere Gruppe noch auf zu den naheliegenden Wasserfällen, wo wir wie Kinder schreiend im Wasser planschen.

Längst ist das Verhältniss zwischen den Arbeitern und uns als Dienstleistungsempfänger, zu einem Gemeinschaftsgefühl geworden.

Nachdem ich mir die Egel vom Fuss gezogen habe, geht es an den Ausgangspunkt unserer Trekkingtour zurück. Hier werden wir mit frischen Papayas in Empfang genommen.


Wir verabschieden uns mit kleinem Trinkgeld und inniger Umarmung.
Futri, dem Träger mit der Stange, bekunde ich noch meine Hochachtung, indem ich ihn als den stärksten Mann der Welt betitle – ich glaube, das ist er wirklich!

Tetebatu – zwischen Reisfeldern und Dreamcatchern

Mitten in Lombok, umgeben von Reisfeldern und Wasserfällen liegt das Dorf Tetebatu. Dort wollen wir unsere erschöpften Beine ein paar Tage ruhen lassen. Bei der Suche nach einer Unterkunft stossen wir auf eine Bleibe der ganz besonderen Art.

Das Dreamcatcher Camp.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Sam, der Inhaber ist 21 Jahre jung. Er ist der Sohn eines Schweizer Aussiedlers, der sein Glück auf Lombok fand.
Hier ist vieles anders. Man isst gemeinsam, sitzt am Lagerfeuer und lauscht dem begnadeten Gitarrenspieler und Mitarbeiter Benny. Lebensmittel und Erfahrungen werden miteinander geteilt.
Ita, eine sympathische 16 Jahre junge Frau, arbeitet im Camp um sich etwas Geld für ihr Studium zusammen zu sparen. Gern führt sie Gäste durch die Reisfelder Tetebatus und den naheliegenden Affenwald.
Zuletzt sind da noch die treuen Hunde Mario und Ginger zu erwähnen. Beide bewachen das offene Hippiecamp rund um die Uhr.

Jeder Tag beginnt für mich mit einem von Ita lecker zubereiteten Bananapancake und einer Tasse Lombok Kaffee (das gemahlene Pulver wird in der Tasse mit heissem Wasser aufgebrüht). Danach mache ich den lieben langen Tag einfach wonach mir ist. Lesen, schlafen, Tiere beobachten (z.B. Teller grosse Spinnen), Musik hören, die Gegend erkunden oder mit den anderen „Hippies“ aus aller Herren Länder quatschen. Die Tage verstreichen wie im Flug. Die Nächte am Lagerfeuer verbringen wir tanzend und lachend, singend und schweigend bis uns die Müdigkeit überkommt und wir uns im hängenden Tipi verkriechen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Der traditionelle Stockkampf

Jährlich im August finden die traditionellen Stockkämpfe statt. Das halbe Dorf, vorwiegend Männer, Kinder sowie Touristen, schauen sich diese harten Zweikämpfe an.

Mit einem Stock und Schild bewaffnet prügeln die Kontrahenten aufeinander ein. Der Schiedsrichter unterbricht mit seiner Trillerpfeife, sobald ein Treffer erzielt wurde. Während den kurzen Pausen können die Zuschauer Geld in die Mitte des Platzes werfen, um damit ihre Begeisterung über die Kampfkünste zum Ausdruck zu bringen. Nachdem eine bestimmte Anzahl von Treffern erreicht wurde, steht der Sieger fest.

Eine Verbeugung vor, sowie eine freundliche Umarmung nach jedem Kampf, zeugt von grossem Respekt. Anschliessend setzen sich beide Kontrahenten mit dem Schiedsrichter auf den Boden und teilen das Geld auf.


Glücklicherweise blieben ernste Verletzungen an diesem Kampftag aus. Blaue Flecken und lange Striemen auf der Haut tragen die Stockkämpfer von Lombok mit Stolz.

 

Die Sprache des Herzens

Während den drei Wochen auf der muslimischen Insel Lombok wurde uns bei nahezu jedem Blickkontakt ein Lächeln geschenkt, dass sich anfühlte wie ein unausgesprochenes: Herzlich willkommen, schön das du da bist!

Die Begegnungen sind echt und intensiv. Mehrmals wurden wir als Ausländer auf offener Strasse von Einheimischen angesprochen und zu Tee oder einer Mahlzeit mit der Familie eingeladen.
Wenn man solche Einladungen annimmt und sich mit einer heissen Tasse Tee in der Hand auf dem Boden gegenüber sitzt, wenn man sich über Kulturen und Religionen austauscht, ohne zu verurteilen, ja dann merkt man schnell wie sich die eigenen Vorurteile auflösen und ein Verständiss füreinander wächst.

Wie schlimm muss es sich anfühlen, in einem fremden Land unerwünscht zu sein.

 

Terima kasih Lombok!

 

 

5 Kommentare zu “Lombok die kleine Schwester Balis

  1. Rote Socke

    Wunderbarer Bericht! Macht Lust auf Koffer packen!

  2. Ruth Pfenninger

    KOMPLIMENT Was für ein interessanter Blog. – Wir sind auf dem Weg nach Polen. Wir denken an Euch beide!
    Herzgruss von Ruth und Rolf

  3. Karlheinz Stadelmaier

    Hallo Ihr zwei Weltenbummler,

    Mich fasziniert dein Blog immer wieder von neuem. 🙂

    Grießle
    Karlheinz

    • Hallo Karl-Heinz,
      danke dass du darin liest und schön wenn er dir gefällt!

      Fühl dich umarmt.

      Mary und Boris

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

%d Bloggern gefällt das: