Samara-viewpoint

Samara – die Stadt der schönen Frauen?

Erste Eindrücke 

 

Am frühen Dienstagmorgen sitzen wir in einen Mercedes Sprinter, den wir als Mitfahrgelegenheit von Samara nach Kasan nutzen. Der Fahrer sprich weder englisch noch deutsch und meine Russischkenntnisse ermöglichen mir lediglich mich mit meinem Namen vorzustellen. Mary sitzt neben mir und verarbeitet mit geschlossenen Augen vermutlich die vergangenen Tage unserer Reise sowie die anstrengenden Wochen zuvor. Beste Voraussetzungen für mich meine Eindrücke der ersten Tage in Russland in die Welt hinaus zu schreiben.

Das Wetter ist grau, regnerisch und trist, irgendwie passt das wiederum zu dem Ausdruck in den Gesichtern vieler Menschen hier. Lächeln als Mittel zur nonverbalen Kommunikation zählt vermutlich nicht zu den Stärken der Russen. Bei mehreren Versuchen, durch ein breites Grinsen im Gesicht eine freudige Rückmeldung zu erhaschen, bin ich stets gescheitert. Was der erste Eindruck vermuten lässt, entspricht nicht dem was einem begegnet, sobald man die Menschen kennenlernt.

Unterwegs mit dem Nachtzug

 

Für die nächtliche Fahrt mit der Eisenbahn von Moskau nach Samara haben wir uns Plätze in der Platzkartny, der dritten Klasse reserviert.

Hier verirrt sich selten ein Tourist hin, da man auf jeglichen Luxus verzichten muss und sich mit 53 weiteren Fahrgästen den offenen Wagon teilt. Als wir uns setzen ist unseren unmittelbaren Sitznachbarn Maria, Natalia, Jelena und Alexander die Verwunderung ins Gesicht geschrieben. Mit gewohnter Routine verstauen alle ihr Gepäck, beziehen ihre Liege und gehen nach einem Abendsnack schlafen. Wir beobachten die Abläufe genau und tun es ihnen gleich. Zu mehr als einem kurzen Lächeln kommt es an diesem Abend zwischen uns nicht.

Als Jelena uns am nächsten Morgen ihre landestypische Süßgebäcke anbietet, ist der Damm gebrochen. Natalia spricht wunderbares englisch, weswegen sie sich für die nächsten zwei Stunden als Übersetzerin anbietet. Wir berichten von unserem Vorhaben, lachen viel und bekommen während der Unterhaltung immer wieder die russische Herzlichkeit zu spüren. Mutig seien wir und auch ein bisschen verrückt.

Eine Frage brennt allerdings allen auf den Lippen:
„Warum sitzt ihr in der Platzkartny und weshalb verirrt ihr euch nach Samara?“
Die Antwort ist leicht, denn so wollen wir reisen: „ Na, um mit Einheimischen in Kontakt zu kommen und von Samara  hörten wir, es sei eine interessante und schöne Stadt. Außerdem sollen die Frauen der Stadt die schönsten in ganz Russland sein.“ Allgemeines Schmunzeln macht sich breit.
Vor der Verabschiedung erhalten wir noch Glückwünsche sowie einige Tipps und ziehen los.

Mikhails Stadt

 

Mikhail unser 21-jähriger Couchsurfing Host holt uns direkt am Bahnhof ab und zeigt uns bei einer Fahrt mit seinem Auto die Sehenswürdigkeiten Samaras. Da 2018 die Fussball Weltmeisterschaft in Russland stattfindet, wird die sehr marode Stadt an allen Ecken ausgebessert. Ein neues Stadion ist im Bau, da auch Samara ein Austragungsort der WM sein wird. Gegen später fahren wir 25 km hinaus zu einem Aussichtspunkt, von wo aus man über die wunderschöne Wolgalandschaft blicken kann.

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Mikhail kümmert sich rührend um uns, er storniert kurzerhand unsere überteuerten Transsibtickets und kauft am Schalter günstigere. Man mag es kaum glauben, englisch spricht in den öffentlichen Einrichtungen Russlands so gut wie niemand. Seine Mutter Yulia lädt uns liebenswürdigerweise zum Abendessen zu sich nach hause ein. Es gibt leckere Manti, gedämpfte russische Teigtaschen mit Dip. Am Abend treffen wir uns mit seinen Freunden und trinken Bier in der Brauerei eigenen Kneipe bis um Mitternacht die Türen schließen.

Frühstück im Coffee Cake Café Samara

 

Direkt an der Uferpromenade zur Wolga finden wir am nächsten Morgen dieses hübsche Café in dem uns Anastasia und Ivan den Tag versüßen werden. Nach einem hervorragenden Frühstück machen wir uns bei einem Kaffee Americano an die Arbeit um die nächsten Tage zu planen.

Als wir gedankenversunken das Internet durchforsten legt Ivan lächelnd diese Karte auf den Tisch.

 

Doch dort hört die Gastfreundschaft noch nicht auf. Anastasia kocht uns unentgeltlich drei typisch russische Vorspeisen, einfach so, weil wir es nicht kennen. Zu guter Letzt kauft Ivan eine in der Region Samara hergestellte Schokoladentafel und überreicht sie uns als Souvenir. Nach 5 Stunden müssen wir leider gehen, was uns sehr schwer fällt. Ein Abschiedsfoto muss sein!

Coffee Cake Cafe Samara

So langsam verstehen wir das hinter dem ersten Eindruck, den die meisten Einheimischen auf uns machen, ein grossherziges Wesen steckt.

Die Stadt ist keine Schönheit – doch die Menschen welche wir hier kennenlernen durften machen sie für uns zu etwas ganz besonderem.

 

19 Kommentare zu “Samara – die Stadt der schönen Frauen?

  1. Chris R.

    Super schöner Bericht! Vielen Dank für die Eindrücke und euch weiterhin eine tolle und eindrucksvolle Reise 🙂

    • Hey Hey, ohne dich hätte ich die Seite nie zum laufen bekommen – Danke für die Zeit die du dir dafür genommen hast! Bist ein Schatz

  2. Lisa Varnica

    Du schreibst wunderbar, Boris. Ich bin begeistert und jetzt hab ich Fernweh nach der Transsip….

  3. Hallo Marie und Boris.
    Endlich hört man was von Euch.
    Hoffe es klappt weiterhin so gut.
    Werde regelmäßig reinschauen.
    Weiterhin viel Glück und Spass.

    Gruß Dad u. Geli

  4. Natalia

    I’m so interested by your trip. And l am so glad that my native town giving to you so many good moments. Natalia from train MOSCOW TO SAMARA.

    • Natalia, nice to hear from you! Often it`s not the sights but the people we met who leave lasting memories. Nice to be with you in the train compartment.

      Marie & Bo

  5. Karlheinz Stadelmaier

    Hallo Mary, Hi Bo,

    Den Eintrag finde ich super, ich freue mich auf weitere Nachrichten von euerer langen Reise. Und wünsche euch viel Spaß und tolle Erlebnise.

    Liebe Grüße
    Karlheinz

  6. Hans-Georg

    Hallo Marie und Boris,

    Jetzt habe ich die Gelegenheit, mich für Eure Karte zu bedanken, die uns arg gefreut hat!
    Wir werden regelmäßig nachlesen wo Ihr seid.
    Sehr schöner Einstieg!

    Herzliche Grüße aus der Ex-Neighborhood.
    hg, Tim und Sabine

    • Hallo Sabine,Hans-Georg und Tim, freut uns das ihr euch für unsere Reise interessiert!

      Liebe Grüsse aus der transsibirischen Eisenbahn

      Marie & Bo

  7. Hallo Mary und Boris,

    Viele Grüße aus Fleischwangen von Ralf und Steffi
    Wir wünschen euch viel Spaß auf eurer Reise.

  8. Ruth Pfenninger

    Liebe Marie und Boris
    Zum ersten Mal auf einem Blog. So kann ich mitreisen und euch mit guten Gedanken begleiten.
    Herzgruss Ruth

    DAS GLÜCK IST RUND

    • Liebe Ruth,
      schön von dir zu hören, ich freue mich riesig! Ich hoffe du liest diesen Blog mit Freude und reist uns auf diese Weise weiter hinterher.

      Herzlichst

      Marie

  9. Привет Борис и Мари, очень впечатлили Ваши комментарии, удачи и везения Вам в путешествиях, не болейте, здоровья Вам. Ирина

    • Здравствуйте Ирина, спасибо за ваш интерес к нашей поездке. Это хорошо, что мы встретились с тобой!

      Мари и Борис

  10. Hallo ihr Lieben,
    schön endlich von euren Eindrücken zu lesen, die du so plastisch beschreiben kannst.
    Die Russen sind ja bekannt für ihre Gastfreundschaft. Wünsch euch noch viele nette Bekanntschaften und Erlebnisse und bin schon auf den nächsten Bericht gespannt.
    In Gedanken bin ich bei euch.
    Deine Mom

    • Hey Mum,
      schön das du bei unserem Trip als Leser dabei bist!
      Der nächste Bericht kommt bald 😉
      Kuss
      Bo & Marie

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