TukTuk am Lake Toba

HORAS !

 

…schallt es einem laut entgegen sobald man den Bereich um den Lake Toba erreicht.

Auf 905 Höhenmeter liegt der größte Vulkansee der Erde. Entstanden ist er vor ca. 74.000 Jahren als der Supervulkan Toba nach dem heftigsten Ausbruch der letzten 2 Mio. Jahre in sich zusammensackte. Als ich mit dem Schiff von Parapat nach Tuktuk fahre, fühle ich mich wie daheim am schönen Bodensee. Das angenehme Klima tut sein übriges dazu.

Mein Ziel ist Samosir. Hier lebt das stolze Volk der Batak. Vor etwas mehr als einem Jahrhundert hätte ich diese Gegend nicht als mein Favorit zum Ausspannen gewählt, da ich ansonsten vermutlich im Kochtopf gelandet wär. Über Eindringlinge und Gesetzesbrecher wurde damals in einer Sitzrunde wichtiger Batak beraten. Des Öfteren hieß es „Kopf ab“! Anschließend hat der König sich die Innereien schmecken lassen um noch mächtiger zu werden. Diese Zeiten sind vorbei, seit der deutsche Missionar Ludwig Ingwer Nommensen den Batak gegen Ende des 18. Jahrhunderts gezeigt hat das es auch anders geht. Heutzutage sind so ziemlich alle Bewohner protestantische Christen.

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Wie bereits erwähnt bin ich hier zum Ausspannen (Reisen kann ziemlich anstrengend sein), und das tue ich die nächsten Tage auch in Tuk Tuk, einer kleinen Halbinsel auf der Halbinsel Samosir. Mein Guesthouse entpuppt sich als eine sehr gute Wahl. Für 7 Euro bekomme ich ein sauberes Zimmer mit top Dusche, himmlischer Matratze und grandiosem Ausblick. Die sumatrische Küche ist übrigens super lecker!

 


Mit dem Moped auf der Insel Samosir

 

Am Montag mache ich mich früh Morgens mit einem Moped auf den Weg die Insel zu erkunden. Vorbei an farbigen Gräbern, grünen Reisfeldern und einer traumhaften Kulisse erreiche ich Simanindo. Im dortigen Batak Museum findet jeweils um 10:30 ein traditioneller Tanz statt, bei dem ich nicht nur beiwohne sondern überraschenderweise auch teilnehme :). Das Video meiner Tanzkünste wird hier (keine Sorge) nicht veröffentlicht.

Kurze Zeit später komme ich an einer Party mit Musik und Tanz vorbei. Als ich stehen bleibe und das Treiben beobachte, lächeln mich ein paar Leute an und bitten mich ihrem Fest beizuwohnen. Noch bevor ich die Frage, ob ich Hunger habe beantworten kann, reicht mir eine Frau eine übertrieben grosse Portion Reis, Curry und viel Ochse (viel Fett und Innereien, wenig Muskelfleisch). Ein alter Mann steht auf und bietet mir seinen Stuhl an. Ein anderer kommt mit VIER Bechern Wasser sowie einer Suppe und stellt sie mir zu Füßen – Gastfreundschaft wie ich sie bisher noch nirgends erlebt habe!

Batak Beerdigung
Bestattungszeremonie

Ein Großteil der ca. 200 Gäste, alle schön gekleidet, tanzt zu Batakmusik und Gesang es wird viel gelacht und ich frage wo denn das Hochzeitspaar sei? Daraufhin klärt mich der Sohn des verstorbenen 104 jährigen Mannes über den Grund der Feier auf. Ich spüre wie mir die Röte ins Gesicht steigt, entschuldige mich für mein Unwissen und bekunde mein Beileid. Mit einem einleitenden „don`t worry“ klärt er mich darüber auf, dass dies ein schöner, freudiger Tag für seine Familie sei. Sein Vater habe sechs Kinder liebevoll großgezogen und dafür gesorgt das sie rechtschaffene Erwachsene wurden. Der Leichnam liegt aufgebahrt auf einem Tisch, bedeckt mit einem Tuch, inmitten der feiernden.
Mit großem Erstaunen denke ich über seine Worte nach und schau mir nochmal die feiernde Gesellschaft an, bevor ich mich bei vielen per Handschlag für alles bedanke und von dannen ziehe.

Die nächsten Familienangehörigen mit mir als Gast

Beschwerlicher Rückweg

 

Von Pangururan aus beschließe ich meinen Rückweg mitten durch die Insel zu nehmen, vorbei am Lake Sidihoni, ein See im See. Um so höher ich komme, desto schöner wird die Umgebung. Der Zustand der Straße verhält sich genau andersherum. Auf dem Weg fragen mich Einwohner immer wieder wo ich denn hin wolle, und lächeln blöde als ich ihnen meine Absicht, auf die andere Seite der Insel zu kommen darlege. Stunden später finde ich mich auf einem, im Grunde nicht befahrbaren Weg, inmitten eines Dschungels wieder, da fällt mir das Lächeln der Leute wieder ein… .

Umkehren ist was für Feiglinge, denk ich so bei mir und kämpfe mich mit dem Moped über Stock und Stein. Es ist 16:30 und ein Ende nicht in Sicht. Dunkel wird es hier gegen 18:30 Uhr. In der Hoffnung das kein Sumatratiger in der Nähe ist und die Reifen die spitzen Steine und Schläge unbeschadet überstehen, forciere ich mein Tempo.

In Schrittgeschwindigkeit treffe ich nach einer halben Stunde auf Zivilisation in Form zweier junger Männer auf ihren Mopeds. Sie lächeln als sie mich aus dem Urwald kommen sehen und beruhigen mich. Laut ihrer Aussage bin ich in einer Stunde in Tomok, wenn ich mich ranhalte.

Ich passiere eine winzige Siedlung wo zwei Kinder auf der Strasse spielen und halte an. Tief in meinem Rucksack befinden sich einige Luftballons. Zwei davon sind für die beiden Kids. Ich überreiche ihnen das Geschenk und merke das sie keinen blassen Schimmer haben was sie damit anfangen sollen. Während ich ihnen zeige wie sie den Ballon aufpusten und verknoten können, blicke ich in ihre gebannten Augen mit denen sie alles genau beobachten. Anschliessend pusten sie ihren vermutlich ersten Ballon selbst auf. Meine Weiterfahrt bemerken sie vor lauter spielen nicht.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreiche ich und das Moped unbeschadet das Guesthouse, gebe den Schlüssel ab und beende den Tag mit Fish Rendang und ner großen Flasche Bintag.

1 Kommentar zu “TukTuk am Lake Toba

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